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Servicewüste Belgien - oder: Ich will doch nur U-Bahn fahren…
By admin | September 6, 2008
Wie schon in einem der letzten Berichte erwähnt, lernt man auch die eigenen Erungenschaften aus einem neuen Blickwinkel neu kennen und anders zu beurteilen.
Nun sagt man ja in Deutschland sehr oft, dieses Land sei eine “Servicewüste” und als besonders negative Beispiele werden gerne die Telekom und die Deutsche Bahn genannt. Von meinen Erfahrungen mit der belgischen Telekom habe ich ja schon berichtet. Nun habe ich auch intensive Erfahrungen mit den Brüsseler Verkehrsbetrieben gemacht.
Eigentlich habe ich einen problemlosen Weg zur Arbeit. Mit dem Auto zur Metro und von dort einige Stationen fast bis vor die Tür des ökumenischen Zentrums. Kein Stadtverhkehr, keine Parkplatzprobleme.
Leider gibt es keine Wochenkarten, sodass ich bisher 10er Karten am Automaten gekauft habe, wobei die Automaten hier keine Scheine annehmen, weshalb ich die ganze Woche mit Scheinen bezahle, um Münzgeld herauszubekommen. Mit der 10er Karte kann man von Montag bis Freitag hin und zurück fahren. Will ich aber mal außer der Zeit fahren, am Wochenende oder in der Mittagszeit, was erledigen, haut es schon nicht mehr hin.
Also dachte ich, mir eine Monatskarte zu kaufen. Von meiner Schulzeit kannte ich das noch so, dass man Ende des Monats an irgendeinen Schalter geht und seine Karte kauft. Ja ja, die gute alte Zeit.
Seit über zwei Wochen versuche ich nun eine Monatskarte für die Metro zu kaufen - es gelingt mir nicht. Bin ich etwa zu doof? Urteilt selbst.
Zu Beginn der letzten Augustwoche schickte ich mich zum ersten Mal an. Ich hatte immerhin schon herausgefunden, dass man nicht an jeden X- beliebigen Schalter so einfach hingehen kann und sagen: “Ich hätte gerne eine Karte, hier ist das Geld.” Nein nein, mein Freund.
An jeder Haltestelle, gibt es Automaten, an deutlich weniger Haltestellen gibt es einen Kiosk, einen mit einem Menschen besetzten Schalter, aber Monatskarten kann man nur in einer Bootiq kaufen. Es gibt im ganzen Großraum Brüssel nur 5 (fünf) Stellen, an denen man Monatskarten kaufen kann.
In einer Mittagpause habe ich mich also zu einer solchen Bootiq aufgemacht und dachte naiv: hingehen - kaufen - heimgehen. Vor der Bootiq stand erst mal eine riesenlange Schlange bis weit über die Straße. Na ja, warte ich halt. Auf der Straße lief zum Glück ein Metromitarbeiter rum, den ich fragen wollte, wie lange es etwa dauern würde, wobei ich erst mal erfuhr, dass ich zum Kauf einer Monatskarte ein Foto und einen Personalausweis benötigte. Dabei wollte ich doch nur U-Bahn fahren und nicht belgischer Staatsbürger werden.
Am nächsten Tag hatte ich beides dabei und wollte vor der Arbeit an einer Bootiq meinen Fahrschein lösen, der auf dem Weg zur Arbeit liegt. Ich war deutlich vor 10.00 (der Öffnungszeit) vor Ort und fand ebenfalls eine ewig lange Schlange vor. Da dachte ich aber noch, ich brauche sie ja für den kommenden Monat und stellte mich an. Durch einen Metro-Hansel erfuhr ich, dass ich zum einen eine Nummer ziehen müsste und zum anderen nur mit Bargeld bezahlen könnte. Als ich die Nummer 55 zog wurde gerade Nummer 3 bedient. Nach ca. 10-15 min kam ich vom Geldholen zurück und es wurde gerade mal Nummer 5 angezeigt. Ich habe das dann mal mit den Wartenden überschlagen und bin zur Arbeit gefahren. Mittags dachte ich ganz schlau, zurück zu fahren, weil sich die Schlange ja nun wohl abgebaut hätte. Gegen 14.30 wurde gerade Nummer 96 angezeigt und die Menge hatte sich kaum merkbar reduziert. Die hatten also in 4,5 Stunden mit 3 Schaltern nicht mal 100 Leute bedient. Bis 17.00 ist die Öffnungszeit dieser Bootiq, man bekommt aber gesagt, wer jetzt nicht in der Schlange steht wird nicht mehr bedient.
Ziemlich angefressen bin ich dann zur Bootiq in der Innenstadt gefahren und hatte mich schon gefreut, dass die Schlange dort nur bis zur Tür ging und dachte, na das kannst du abwarten. An der Tür angekommen - gegen 14.45 - wurde mir aber auch dort gesagt, dass man nicht bedient würde, wenn man jetzt keine Nummer habe. Also gut 3,5 Stunden vor Schalterschluss (diese Bootiq hat bis 18.00 auf) und mit mehreren Schaltern und dem grade mal gefüllten Vorraum WIRD MAN NICH MEHR BEDIENT - HÄÄÄ????? Sind die bescheuert?
Am Samstag hatte ich ebenfalls um die Mittagszeit versucht an einer dritten Verkaufsstelle mein Geld loszuwerden Auch hier sagte man mir mehrere Stunden vor Schalterschluss, dass man nicht mehr bedient werde. Seitdem veruche ich mindestend jeden zweiten Tag eine Monatskarte zu bekommen und habe es bisher nicht geschafft.
Mittlerweile ist der Monat schon über eine Woche alt und meine Chefin meint, das würde in der ersten Woche abebben - die Schüler müssen ja in die Schule. Zum letzten Mal habe ich es Donnerstag morgen, vor der Arbeit und am selben Tag noch mal mittags versucht, als auch am Freitag morgen.
Sach mal, ich kann mich doch nicht um 7.00 anstellen einen ganzen Arbeitstag vor dem Schlter verbringen um um 16.00 gesagt zu bekommen nicht mehr bedient zu werden. Ich frage mich, wie die Leute das machen. Und auch wenn jetzt das Schuljahr wieder losging - das kommt ja auch völlig überraschend, keiner kann das voraussehen, zumal hier in Belgien die Ferien immer gleich liegen.
Eine Karte im Internet zu bestellen dauert mind. zwei Wochen und man muss noch mehr Daten rausgeben.
Vielleicht versuche ich es Mitte September noch mal für November eine Karte zu bekommen.
Und - liebe Deutsche - es soll mir bitte keiner mehr was über schlechten Service bei der Deutschen Bahn sagen. Ihr wisst gar nicht, was ihr an dem freundlichen Servicepersonal am Point of Sale habt.
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